Michael in Stadtnotizen am 18. Mai 2011, 00:51 30 Kommentare »
Per Internet hatte ich ein Telefon für einen Freund bestellt. Es sollte an meine Anschrift geschickt werden. Nach ein paar Tagen hatte ich eine Benachrichtigung des Kurierdienstes im Briefkasten (!), dass die Bestellung nicht zugestellt werden konnte, da mein Name weder auf der Klingel, noch am Briefkasten, noch an der Tür gefunden worden sei (!).
Ich rief die Berliner Telefon-Hotline des Kurierdienstes an und kam tatsächlich nach nur 3 Minuten Warteschleife mit ätzender Musik durch:
“Hallo, mein Name ist MM, ich habe eine Nachricht von ihrem Fahrer bekommen, dass die Sendung mit den Ziffern (ich lese ihr langsam die 23stellige Nummer vor) nicht zugestellt werden konnte” – die Call-Center-Agentin unterbricht mich schnippisch “ihren Namen brauche ich jetzt nicht, und wenn ihr Name nicht an Haus und Klingel steht, ist die nächste Zustellung kostenpflichtig”.
“T’schuldigung, aber…” – versuche ich zu antworten.
“In Berlin wohnen doch lauter Vollpfosten, da ist kaum ein Türklingel-Schild richtig beschriftet, und auf den Briefkästen ist alles daraufgeklebt, Werbung ja, Werbung nein, Ikea ja, Wochenzeitung nein, kein Kiez für weiß-ich-was, nur nicht der Name dessen, der den Schlüssel zum Kasten hat, der steht nicht darauf” echauffiert sich die Call-Agentin hörbar aufgebracht. Ich lasse sie ausmotzen, da hat sich wohl eine Menge Frust angestaut.
Dann ist plötzlich Stille. Ich schweige ja schon die ganze Zeit. Sie ruft: “Hallo?”.
“Ja, ich warte auf eine Pause, darf ich nun etwas erklären?” antworte ich.
“Kleben Sie ihren Namen richtig drauf, und dann müssen unsere Fahrer nicht ständig alles ein paar mal mitschleppen” ruft sie mit wieder steigender Emphase in der Stimme.
“Mal ganz ruhig – ihr Fahrer hat meine Anschrift nicht gefunden?”
“Ja, wie gesagt, ihr Name steht nicht dran, alles Vollpfosten hier, was glauben Sie, was hier jeden Tag abläuft?”
“Nun” sage ich mittlerweile innerlich belustigt zu der Agentin, “wie kommt denn die Benachrichtigungskarte ihres Fahrers mit der Telefonnummer darauf, die ich gerade anrufe, ins richtige Haus in den richtigen Briefkasten, wenn doch angeblich nichts beschriftet war?”
Pause am anderen Ende der Leitung.
“Hmm, Moment bitte!” Sie hämmert hörbar auf der Tastatur Ihres Computers, dann antwortet sie:” der Fahrer hat Ihnen die Karte in den Briefkasten geworfen und dann nicht auffindbar abgewickelt”. Wieder eine Pause. “Nun, dann gibt es eben auch bei uns Vollpfosten. Ich schicke die Sendung noch mal los. Tschüss!” Keine Chance, noch etwas zu antworten. Tuuuuuuuuut.
Mein Name steht unverändert seit sieben Jahren auf der Klingel und am Briefkasten, nur mal nebenbei bemerkt. Und es stimmt schon, dass viele Briefkästen mit allerlei bunten Botschaften beklebt sind, während der Name entweder fehlt oder aber in Minischrift, handgeschrieben, unter etwas anderes geklebt wurde.
Aber ein bisschen durchgeknallt muss man schon sein, in den richtigen Briefkasten “nicht zustellbar, da Adresse nicht auffindbar” zu werfen, oder? Bei allem Verständnis für schlecht bezahlte und gestresste Zusteller…..