Alltag im Wedding
Susanne in Kultur am 5. Juli 2009, 11:05 11 Kommentare »
Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, wenn ich unterwegs bin, ist seit jeher das Stöbern in den Zeitungskiosken in Bahnhöfen. Gerne auch ohne die umständliche Reisetätigkeit, einfach nur im heimischen Bahnhof. Dabei suche ich niemals nach Büchern, das Angebot ist diesbezüglich häufig ein wenig überholt. Außerdem stapeln sich bei mir sowieso genug Bücher. Dem mag ich nicht fahrlässig irgendetwas hinzufügen.
Anders sieht es bei dem oft unüberschaubaren Angebot an kleinen, zum Teil regionalen Heften und Magazinen aus. Die liebe ich seit jeher. Vor allem Literatur und Lyrik lassen sich auf die Art entdecken. Aber auch andere Künste und sonstige seltsame Eigenheiten stehen vielfältig zur Verfügung, teilweise leicht verstaubt und verknickt in einer Ecke.
So habe ich vor Jahren bereits Das Magazin entdeckt, ohne dessen legendären Charakter auch nur zu erahnen. In Wuppertal, wenn ich mich recht erinnere.
Ob Der Wedding bereits überregional in den Bahnhöfen zu haben ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall liegt er im berlinweiten Bahnhofsbuchhandel aus und ist exakt eines dieser Magazine zum blättern, stöbern und entdecken. Eines, das ich mit auf die Reise nehmen würde. Und anschließend mit nach Hause, wo es sicher verwahrt und ohne Zweifel immer wieder zur Hand genommen werden würde. Denn der Wedding tut, was er von sich selbst behauptet: Er nimmt sich die kleinen Geschichten vor. Die, auf die es ankommt, die alltäglichen Dinge, die sich vor der eigenen Haustür ereignen. Und das ist genau richtig so, aller Globalisierung zum Trotz.
Die Ende März erschienene 2. Ausgabe beschäftigt sich mit dem Schwerpunkt Verwandtschaft. Zirka 30 Schriftsteller, Journalisten und Fotografen haben zusammengetragen, was es zu diesem Thema festzuhalten gibt. So werden Passanten befragt, Sinti- und Romafamilien porträtiert, und es wird in alten Fotoalben geblättert. Auch die Generationenfrage wird gestellt, seit Jahrzehnten ein Dauerbrennerthema, und die Einsamkeit von Altenpflegeheimen bebildert. Ost und West kommt vor, eine typische Berliner Verwandtschaft, immer noch, und die Mauer natürlich. Ganz besonders schick ist die Fotostrecke über Weddinger Telecafés. Alles ein bisschen Neukölln, findet an dieser Stelle die Neuköllnerin.
Im Heft werden auch die Weddinger Partnerstädte vorgestellt. Darunter Hamm und Bottrop, das mir als gebürtiger Essenerin zutiefst vertraut ist. Dort heißt es mehr als treffend:
Bottrop sind Ortsteile zwischen Ortsteilen, die in Ortsteile übergehen, die irgendwann aber nicht mehr Bottrop sind, sondern Gelsenkirchen oder Essen.
Einen Einblick ins Heft bietet der Beitrag Abendbrot, der als PDF aufrufbar ist. Aber, wie oben bereits erwähnt, muss man den Wedding natürlich eigentlich zuhause haben, um sich hin und wieder da hineinvertiefen zu können.
11 Kommentare
am 5. Juli 2009, 12:50 #
Liebe Susanne, weißt Du, ob es ein ähnliches Magazin auch für Moabit gibt?
am 6. Juli 2009, 00:04 #
@ Gedankenpflug
Keine Ahnung, da bin ich überfragt.
@ Paradoxon
Du auch? Fängst das Schniefen an, wenn du Schlote siehtst? Aber so ist es, das stimmt. Der ganze Pott ist im Grunde eins.
Jürgen (hsb)
am 6. Juli 2009, 07:37 #
@Gedankenpflug: Moabit ist Wedding. Wedding ist (auch) Mitte. Jeder ist alles!
am 6. Juli 2009, 12:03 #
@Jürgen (hsb)
Das ist eine Beleidigung! ;) Moabit gehört vielleicht zum Bezirk ‘Mitte’. Aber der ist auf dem Reißbrett entstanden. Als Ortsteil ist Moabit sozusagen durch und durch ‘moabitisch’. Das merkt man schon am Geruch. Denn jeder Ortsteil hat in Berlin einen ganz eigenen Geruch. Bezirke sind für Bürokraten.
Bricky Merlon
am 6. Juli 2009, 22:56 #
hi suze,
haste meinen beitrag einfach mal unkommentiert nicht erst wachsen lassen, oder was ist ?
Bricky Merlon
am 6. Juli 2009, 23:32 #
Hello suze … hello Susanne,
hast Dich also doch irgendwie angesprochen gefühlt
(die Titelei war nicht Böse gemeint! )
An liebe Susanne des Nächtens:
Nun tu bitte nicht so, als wärest Du dumm – das bist Du nämlich nicht !
Wollte Deinen Namen nicht Verballhornen … hatte es nett gemeint.
Na, … Schwamm drübber !
Einfach “löschen” von Kommentaren, die Dir nicht passen, ist aber auch nicht fein.
Und bei anderen Kommentatoren sich Einzumischen ist, meiner Meinung nach, echt fett-dreist!
Haste nun Charakter, um bei einem Blog mit zu machen, oder nicht?
am 6. Juli 2009, 23:42 #
Ich verstehe nicht, worum es geht. Die letzte Löschung, die ich vorgenommen habe, war ein Spamlink auf ein Bordell. Das war im letzten Monat.
Und Einmischung ist als Blogbetreiberin leider hin und wieder meine Pflicht.
Bricky Merlon
am 7. Juli 2009, 20:53 #
@ Susanne:
Hab mich da wohl leider unklar ausgedrückt, sorry!
Ich hatte halt in letzter Zeit das Gefühl, dass Kommentare, die Dir inhaltlich nicht so ganz zusagen (insbesondere von einem bestimmten Schreiberling hier) ohne themenbezogene Begründung von Dir gelöscht wurden – auch in Threats von anderen Moderatoren.
Kann und will Deine Pflichten nicht in Frage stellen.
Es ist mir halt nur unangenehm aufgefallen, dass wohl einige hier “frei” Schreiben können und andere nicht.
Weil ich nun nicht wusste, wohin mit meiner kleinen Kritik hab ich sie halt hier reingesetzt ;-).
Das Löschen von Spam-Links steht außer Frage …
Denke, da sind wir Meinungskonform ;-).
am 8. Juli 2009, 23:22 #
hab ick mir heute gekauft, aus reiner vorfreude, da auf der suche nach einer wohnung im wedding. sehr schönes heft, sehr interessant. wahrscheinlich liest man es für fünf euro ein wenig zuuu schnell durch, soll heißen: das verhältnis bild-text ist ein wenig ungünstig. aber wer fünf euro übrig hat, dem würde ichs trotzdem auch empfehlen!